Pasquale Stanzione, Präsident der italienischen Datenschutzbehörde, warnt: EU-Kinderschutzpläne dürfen nicht zu Massenüberwachung werden
Pasquale Stanzione, Präsident der italienischen Datenschutzbehörde (Garante), sagte vor italienischen Abgeordneten, die Altersüberprüfung im geplanten EU Kids Act dürfe kein Vorwand werden, um unnötige personenbezogene Daten zu erheben. Er betonte, dass er Altersüberprüfung nicht ablehne und strengere Schutzmaßnahmen gegen süchtig machendes Design, manipulative Empfehlungssysteme und Profiling unterstütze.
Nach Stanzione sollte sich der Schutz nach dem Alter des Kindes und dem Risiko richten und von angemessener elterlicher Begleitung getragen sein. Elterliche Aufsicht dürfe die Privatsphäre der Kinder, die sie schützen soll, nicht aufheben. Als neues Problem nannte er KI-Chatbots, die jungen Nutzern emotionale Beziehungen vorspielen. Sein Ansatz beruht auf Datenminimierung, verhältnismäßigen Schutzmaßnahmen, verantwortungsvollem Plattformdesign und dem, was er digitale Paideia nennt, also Bildung im verantwortungsvollen Umgang mit Technik.
Datenschutzteams bei Plattformen mit jungen Nutzern sollten prüfen, ob ihre Alterskontrollen mehr Daten erheben als zur Bestätigung des Alters nötig, und ob Werkzeuge zur elterlichen Kontrolle mehr von der Aktivität eines Kindes offenlegen, als das Risiko rechtfertigt.
Stanzione meint, Kinderschutzgesetze dürften Kindern nicht die schrittweise Selbstständigkeit nehmen, die sie zum Erwachsenwerden brauchen, und sieht sie als Bürger im Werden.
Originaltitel: Italy's Privacy Chief: Don't Spy On Kids To Protect Them!
EU Kids Act
- Wen das bindet
- Derzeit niemand. Die Anhörung gibt die Position der italienischen Aufsichtsbehörde zu einem geplanten EU-Gesetz wieder, dem EU Kids Act, der noch ein Vorschlag ist und Plattformen heute keine Pflichten auferlegt.
- Was sich geändert hat
- Am 28. Oktober 2026 legte Stanzione vor der italienischen Abgeordnetenkammer die Position der Behörde zum EU Kids Act dar. Er unterstützt Maßnahmen gegen schädliches Design, lehnt aber jede Datenerhebung ab, die über das für die Sicherheit von Kindern Nötige hinausgeht.
- Worauf zu achten ist
- Datenschutzteams sollten die Verhandlungen zum EU Kids Act verfolgen, um zu sehen, ob die Regeln zur Altersüberprüfung datensparsame Prüfungen oder zentrale Identitätsregister bevorzugen.
- Was das nicht bedeutet
- Die Anhörung schafft keine neuen rechtlichen Pflichten für Plattformen und ist kein Aufruf, auf Alterskontrollen zu verzichten.
Noch offen: Die endgültigen gesetzlichen Bestimmungen des EU Kids Act stehen noch nicht fest, da sich der Rechtsakt derzeit in den gesetzgeberischen Verhandlungen der Europäischen Union befindet.
An Ihr Team weiterleiten
Ein schlecht gestaltetes EU-System zur Altersüberprüfung könnte eine große Infrastruktur zur Identifizierung und Überwachung von Internetnutzern schaffen, warnte der Präsident der italienischen Datenschutzbehörde.